sueddeutsche.de präsentiert unseren Intelligenztest
08. Oktober 2008 von Kerstin
Seit ein paar Tagen ist er online: sueddeutsche.de nutzt in einer Kooperation mit uns den Psyreon-Intelligenztest. Umgesetzt wurde der Test als PHP-Applikation von der Marit AG. Das zum Corporate Design von sueedeutsche.de passende Layout finde ich sehr gelungen. Mit der Bezeichnung IQ-Test und der damit einhergehenden Berechnung eines Intelligenzquotienten bin ich nicht ganz so glücklich, unter Marketing-Aspekten ist die Begriffswahl allerdings nachvollziehbar. Für den Nutzer ist die Handhabung schön einfach, es ist keine Registrierung notwendig und die Ergebnisse werden direkt im Anschluss an die Bearbeitung gezeigt. Neugierig? Hier anschauen.
..was mich an dieser Stelle interessieren wuerde, Kerstin: glaubt ihr im Ernst, dass es fuer eine endliche Folge von ganzen Zahlen, seien es fuenf oder sechs, stets einen *eindeutigen* Algorithmus gibt, der diese Folge fortsetzt. es ist ein leichtes, innerhalb eures SZ-Tests fuer einen Gutteil der Folgen ad hoc mehrere ‘logische’ Fortsetzungen der Folge anzugeben. Im uebrigen: es gibt stets sogar abzaehlbar viele solcher Fortsetzungen. Aehnlich verhaelt es sich mit euren ‘Matrizen’, eure Logik-aufgaben werden durch Fenn-Diagramme trivial, wer diese nicht kennt/anwendet, ist objektiv im Nachteil, habt ihr eigentlich irgendwelche Mathematiker oder zumindest Naturwissenschaftler in euren ‘wissenschaftlichen Teams’, entschuldigt diese Frage.
Hallo Andreas,
danke für Deinen Kommentar. Ja, an der Entwicklung der Testaufgaben waren auch Naturwissenschaftler (zu denen übrigens gelegentlich sogar auch die Psychologen gezählt werden ;-)) beteiligt.
Bestimmte Aufgabentypen lassen sich mit entsprechender Vorkenntnis leichter lösen, da hast Du schon Recht. Das ist ein Grundproblem bei der Konstruktion von Intelligenztests, das sich nicht lösen, sondern leider nur minimieren lässt, indem man zumindest möglichst wenig bildungsabhängiges Wissen (z.B. Wortschatz) einbezieht.
Die Frage nach dem eindeutigen Algorithmus kannst Du als Mathematiker sicher besser beantworten als ich. Die meisten herkömmlichen Intelligenztest-Aufgaben zeichnen sich dadurch aus, dass zur Problemlösung relevante Details erkannt und unwichtige Informationen ausgeblendet werden. Unsere Konstruktion der Zahlenreihen folgt dabei der grundsätzlichen Logik anderer klassischer Tests wie z.B. des IST 2000 oder des BIS. Deswegen würde mich interessieren, ob Deine Einwände sich allgemein gegen diese Aufgabentypen richten?
..es geht mir nicht nur um Probleme der Nicht-Eindeutigkeit, im Falle der Zahlenfolgen ist lediglich streng beweisbar, was in anderen Faellen weniger deutlich ist: dass ein subjektiver, nicht wirklich objektivierbarer Begriff von ‘richtiger Loesung’ etabliert wird, fuer den es im Zweifelsfalle keine rationalisierbare Grundlage gibt. Selbst WENN es ein ‘Mass’ fuer den einfachsten Algorithmus bei geg. endlicher Zahlenfolge gaebe (das es nicht gibt), ist es eine voellig andere Sache, das Auffinden dieses ‘einfachsten’ Algorithmus unter Testbedingungen positiv mit ‘Intelligenz’ zu korrelieren, darin steckt letztlich viel Ideologie: Normierung von Kreativitaet, Intelligenz, das Phantasma der Messbarkeit, das von einer kleinen Gruppe von ‘Experten’ definiert wird.
Abgesehen vom Problem der Nicht-Eindeutigkeit von Loesungen, das teilweise auch im Falle der Gleichungen offenbar wird, die teilweise deutlich ‘unterbestimmt’ sind, ist mir nach wie vor schleierhaft, wie Psychologen darauf kommen, etwa das Kreuzwortraetsel-artige Ausfuellen dieser ‘Gleichungen’, im Test teilweise sogar nicht einmal durch folgerichtige Strategie, sondern durch ‘intuitives Probieren’ zu loesen, sei ein Mass fuer Intelligenz, ich darf an dieser Stelle verraten, als mathematischer Physiker exakt bei diesem Grundrechenarten-Kreuzwortraetsel ziemlich durchschnittliche Ergebnisse erzielt zu haben, man darf sich dann fragen woran das liegt: koennte es evtl. daran liegen, dass ‘Rechnen’, selbst (konkrete) Zahlen, oder ‘Herumprobieren auf Grundschulniveau’ in der modernen Mathematik eine eher untergeordnete Rolle spielen, man sollte also auch das in Betracht ziehen: ‘Expertentraining’ und langjaehrige mathematische Beschaeftigung kann es erschweren, IQ-Tests zu absolvieren, die fuer den ‘gesunden Hausverstand’ oder fuer Kinder entwickelt sind. Man vermisst im uebrigen auch grundlegende Angaben im Falle der ‘Gleichungen’, etwa: ist das Einsetzen negativer oder nicht-ganzer Zahlen erlaubt etc.
Ingsesamt betrachtet vermisse ich im westlichen Kulkturkreis eine wirklich kritische Evaluation des Phaenomens ‘Intelligenztest’, es erschuettert mich immer wieder, mit welchem Gleichmut die Verfechter solcher Tests die (erwachsenen) Menschen auf ‘Fingeruebungen unter Zeitdruck’ reduzieren koennen zu meinen, ich sage nicht dass es diese Trends nicht auch woanders gaebe, nur etwa zwischen jenen ‘Zahlenfolgen’ und einer durchschnittlichen Aufgabe selbst einer Schueler-Mathematikolympiade liegen schon Welten und auch solche Mathematik-Olympiaden lassen sich noch kritisch werten. Letztlich relevant ist fuer IQ-Tests offenbar eine Art ‘Fixigkeit’ und ‘Unbeirrtheit’, die dem Anforderungsprofil einer auf die schnelle Erledigung von Routineanforderungen normierten Gesellschaft zwar voll entspricht, mit den eigentlichen Welten von Denken und Kreativitaet aber nicht nur wenig zu tun hat, sondern, wie ich behaupte, ihnen auch relativ diametral entgegensteht, sich aber nicht scheut, letzteren Umstand geradezu manisch zu verneinen.
Ich gebe zum Schluss noch einen Hinweis auf Einstein: seinen IQ von 160 halte ich fuer einen Mythos, ich halte es sogar fuer eher zweifelhaft, dass er jemals einen IQ-Test absolvierte. Die allg. Relativitaetstheorie zeichnet sich eben NICHT (wie neuere Versuche der Grundlagen- Physik) durch grosse Kompliziertheit aus, sondern durch Einfacheit und Eleganz, es ist wohlbekannt, dass Einstein viele seiner Zeitgenossen, etwa unter Mathematikern, ‘technisch’ voraus waren, Einsteins Leistung war die eine kreativen Aktes und einer besonderen Einsicht in die Realitaet, er eignet sich wie wenige sonst dazu, auf die Bedeutung von ‘Fixigkeit’ und das Herumspielen mit Grundrechenarten zu verweisen.
Gut, das ist ein wesentlich anderer und grundlegender Aspekt. Wenn wir uns vom Für und Wider einzelner Aufgaben, Untertests und Spielarten von Intelligenztests lösen, steht die Definition von Intelligenz und IQ zur Debatte, und jetzt rennst Du bei mir offene Türen ein.
Die Qualität eines Intelligenztests wird im Wesentlichen durch seine Vorhersagekraft bestimmt. Was soll er vorhersagen? In der Regel den Erfolg in Schule, Ausbildung und Beruf. In diesem Sinne zeichnen sich die etablierten Testverfahren dadurch aus, dass die Ergebnisse hoch mit Schulnoten oder Studienleistungen korrelieren. Der praktische Nutzen solcher Tests liegt also gerade in dem engen Zusammenhang zwischen Testleistung und den Anforderungen unserer Gesellschaft. Anastasi definiert: “Intelligenztests messen die Fähigkeit, in unserer speziellen Kultur erfolgreich zu sein.”
Das kann man jetzt gut finden oder nicht, mit Sicherheit sollten vor diesem Hintergrund aber Begrifflichkeiten wie Intelligenz und IQ kritisch hinterfragt und im jeweiligen Bedeutungszusammenhang betrachtet werden. Das ist übrigens ein Grund dafür, dass wir bei unserem Test auf psyreon.de bewusst den Begriff IQ vermeiden und diesen auch nicht berechnen. Für suedeutsche.de wurde das geändert, die Redaktion wollte “den” IQ.
Einstein hat nie einen Intelligenztest gemacht. Irgendwann hat man versucht, den IQ berühmter Persönlichkeiten anhand biographischer Informationen nachträglich zu schätzen. Eine wissenschaftliche Grundlage dafür gab und gibt es nicht…
..nun, mit obigen Bemerkungen bezueglich spezieller Fragen versuchte ich ja lediglich zu illustrieren, worin sich das ’spezielle’ Moment des IQ-Tests manifestiert, die ‘Faehigkeit in unserer speziellen Kultur erfolgreich zu sein’ zu messen, denn das Auffinden der ‘einfachsten Loesung’ ist insbesondere das Anliegen einer auf industrielle Effektivitaet geeichten Gesellschaft. Die Dialektik in diesem unbedingten Willen, die einfachste Loesung zu finden, liegt aber andererseits darin, dass es diese eben nur in sehr speziellen Kontexten gibt: auch in der Physik oder Mathematik brauchen Extrema von -nur zum Beispiel- ‘Funktionalen’ nicht eindeutig zu sein, im Zweifelsfalle muss es keine Loesung geben, unter das Funktional den ‘kleinsten Wert’ annimmt. Insofern sind IQ-Tests oft im Detail eine Vergroeberung, die nur eine Vergroeberung und Ausblendung bestimmter Aspekte der Realitaet als Ideologie abbildet.
Das Zweifelhafte ist zudem, zu glauben, die Ideologie, der IQ-Test messe in objektiver Weise ‘die Faehigkeit in unserer Gesellschaft erfolgreich zu sein’ sei eine, die nicht in Interaktion mit eben dieser Gesellschaft steht, es ist kein Zufall dass jeder Absolvent eines IQ-Tests sich unmittelbar in seine Schulzeit bzw. seine Kindheit zurueckversetzt sieht, die Massstaebe sind im grossen und ganzen diejenigen die in Schulen und den Bildungseinrichtungen dieser Gesesellschaft, selbst (zum Teil) den Universitaeten, fuer die Menschen GEMACHT werden, es sind dieselben Masstaebe, dieselben Gremien, die den Pruefungscolloquien der Institutionen vorstehen oder diese leiten, wie jene, die die Kriterien der scheinbar ‘wissenschaftlich-unabhaengingen’ IQ-Tests bestimmen, formulieren und praezisieren. Der ‘Erfolg in unserer Gesellschaft’ ist also keine Groesse die unabhaengig von dem proklamierten Messprinzip- dem IQ-test- besteht, sie ist eine, die den gesetzten Methoden unserer Gesellschaft, zu der der IQ-Test gehoert, inert ist, diese reflektiert und von diesen reflektiert WIRD. Um noch einmal eine Analogie aus der Physik zu benutzen: der IQ-Test ist eine Messung, die selbst schon die Gesellschaft normiert, auf etwas projiziert, das den Zustand der Gesellschaft nicht invariant laesst, als -buchstaeblich- eindimensionaler Unterraum kann sie die Gesellschaft, den Menschen, nur auf etwas projizieren, das eindimensional ist und manifestiert damit die Ideologie, dass Menschen durch ihre Projektion auf ein n-tupel von Koordinaten in einem Z^n (wo n eine positive, natuerliche Zahl ist) oder eben eine relle Gerade, ein Intervall, schon ‘hinreichend’, oder zumindest aussagekraeftig, bestimmt waeren. Der IQ-Test ist kein Mittel der Kritik oder Analyse, geschweige der Dekonstruktion des Systems, er ist ein Mittel der Aufrechterhaltung und Konstruktion seiner Unzulaenglichkeit und mithin der von ihm ausgehenden Unterdrueckung.
Uff. Nun, es ist spät, und Deine Ausführungen legen mir erst einmal nahe, dass Du Dich mit diesem Thema intensiv beschäftigst.
Nein, der Intelligenztest ist kein “Mittel der Kritik oder Analyse”, er ist dort, wo sein oberstes Qualitätskriterium die Vorhersagekraft zukünftiger Leistungen ist, systemkonform. Eine umfassende, wahre und einheitliche theoriegeleitete Definition von Intelligenz gibt es nicht.
Allerdings sind es entschieden nicht dieselben Instanzen bzw. Personen, die einerseits die Erfolgskriterien in unserem Bildungs- und Berufssystem und andererseits die Messinstrumente zur Erfassung der Intelligenz definieren. Anwendungsbezogene Wissenschaft - und dazu rechne ich die Konstruktion kommerziell nutzbarer psychologischer Testverfahren - orientiert sich an den Anforderungen der Wirtschaft. Sie muss also diejenigen Fähigkeiten / Eigenschaften / Konstrukte erfassen, die für die Praxis interessant und relevant sind. Tut sie das nicht und beschränkt sich z.B. auf Grundlagenforschung, ist sie entweder universitär gefördert oder fristet ein karges Schattendasein. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung.
Aber welchen Anspruch willst Du letzlich an einen IQ-Test stellen? Wenn Du Dich näher mit der Intelligenzforschung befasst, wirst Du feststellen, dass dort ebenso wie in vielen anderen Forschungsgebieten keine einfachen Wahrheiten zu finden sind. Daraus gleich eine Verschwörungstheorie des Intelligenztests als Mittel der Aufrechterhaltung und Konstruktion der Unzulänglichkeit des gesellschaftlichen Systems zu machen, erscheint mir arg weit hergeholt. Take it or leave ist: Mach’ solche Tests oder lass’ es, es zwingt Dich niemand dazu. Wenn Du in einem Auswahlverfahren mit einem solchen Test konfrontiert wirst, wird das Ergebnis in einem gut konzipierten Verfahren nicht den alleinigen Ausschlag über Deine Zukunft geben. Bewerte Testverfahren kritisch, aber mach nicht aus jedem Test ein Unterdrückungsinstrument der herrschenden Klasse.
Nix für ungut, wünsche Dir ein schönes Wochenende!
Kerstin, es ging mir nicht darum zu behaupten, dass es im buchstaeblichen Sinne dieselben Personen seien, die fuer die Gestaltung des Messinstrumentes UND die Formulierung und Ausformung der gesellschaftlichen Beurteilungsmechanismen verantwortlich sind, aber die Mechanismen sind notwendigerweise verschraenkt, die Verschraenkung ist also weniger ein Phaenomen im Sinne von ‘Verschwoerung’ oder personaler Verkettung, mir liegen Verschwoerungstheorien seit jeher fern, die Verschraenkung liegt GERADE darin, dass das Werkzeug zumindest implizit behauptet oder im oeffentlichen Diskurs vermittelt, Mittel der ‘unabhaengigen Evaluation’ zu sein und sich gleichzeitig aber mehr oder weniger stillschweigend an den ‘Erfordernissen der Wirtschaft’, dem unbedingten Funktionieren in der gesellschaftlich-oekonomischen Routione, orientiert, als sei die Wirtschaft ein Kriterium, das nicht bereits den Mechanismen einer gesellschaftlichen Deformierung unterworfen ist und diese erzeugt. Man wuerde nicht in grotesker Weise ‘Einstein’ und diese unsaeglichen Fliessband-Grundschulaufgaben assoziieren, wenn der Anspruch der IQ-Tests im gesellschaftlichen Diskurs, zu dem sich auch die Schaffer dieser Tests positionieren muessen, nicht ein ganz anderer waere: der Kurzschluss von Intellekt, Kreativitaet und Normierung. Ich will dazu an dieser Stelle nicht mehr schreiben und verweise etwa auf Foucaults Diskursanalyse oder auch auf die kritische Theorie. Ich frage mich nur, warum bis heute niemand unter ‘IQ-Test’-Verantwortlichen genuegend Reflexionsfaehigkeit aufbringt, die Stellung ihres Instrumentes im gesellschaftlichen (Macht)Diskurs zu reflektieren, im Grunde reicht schon ein fluechtiger Blick auf die Aufgaben, wie oben beleuchtet und ein minimaler background in Philosophie oder Soziologie. Andererseits: dieser unbedingte Glaube an die ‘eindeutige richtige Loesung’, die Diskursinstanz, die diese ohne jemals ihren Diskurshorizont zu verlassen und im Grunde wider besseren Wissens definiert, muss jedem Mathematiker fast schon dreist erscheinen, vielleicht waere es ein erster Schritt, Psychologen, BEVOR sie Menschen auf Zahlengeraden projizieren, zumindest ein Grundstudium in harter Mathematik absolvieren zu lassen, vielleicht ist das ja hinreichend fuer die Entwicklung einer auch nur rudimentaeren Kultur der intellektuellen Vorsicht?
Ich habe soeben Ihren Intelligenztest absolviert und dabei “erschreckend” durch- bis unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielt.
Einerseits hat mich das überhaupt nicht gewundert , da ich wußte, daß ich noch nie gut war in solchen Aufgabenstellungen, die, wie Andreas, dessen Meinung ich sehr scharf beobachtet (eben intelligent:)) finde, so verdammt richtig sagt, nur für diese vom Rationalisierungszwang geplagte Gesellschaft relevant sind, und andererseits weil ich Gott sei Dank inzwischen um die Probleme dieser Gesellschaft weiß, so daß mich ein solches auf den ersten Blick entmutigendes Ergebnis nicht mehr in Verzweiflung zu stürzen vermag.
Als erstes möchte ich loswerden, daß ich auf keinen Fall glaube, daß der Erfolg, so wie er hierzulande definiert wird, ausschließlich davon abhängig ist, ob man in der Lage ist, solche Aufgaben, wie sie einem hier vorgelegt wurden, auch noch unter extremem Zeitdruck richtig zu lösen. Vielmehr ist es so, daß diejenigen, die das können, wenn ihnen nicht gerade von Anfang an viel Geld zur Verfügung steht, es zu eher durchschnittlichen Ergebnissen im Leben führen. Ich meine, wieviele “hoch intelligente” Juristen, Manager, Banker usw. gibt es auf der Welt? Welchen Einfluß hat ihre Arbeit auf unser geistiges Leben? Was haben sie damit ans Universum zurückgezahlt? Zum richtig auffällig überdurchschnittlichen Erfolg können es (neben sog. Stars, die meist eher hübsch sind als intelligent) aber meistens gerade diejenigen bringen, die diese, ich nenn das mal so, mathematischen Konventionen brechen. Wahrscheinlich deshalb, weil diese “anderstickenden” Menschen mit ihren Aussagen, seien es künstlerische oder sonst welche, solche Areale in den Köpfen dieser im üblichen Sinne als intelligent angesehenen Menschen anzusprechen vermögen, die in dieser heutigen Welt sonst verkümmert wären… Und offensichtlich haben diese Menschen, die diese andersartigen geistigen Produkte kaufen, obwohl es keinen Sinn aus rationaler Sicht ergibt, auch noch ein Bedürfnis nach einer anderen Art von Intelligenz, die wichtig ist, sonst würden sie nicht unbewußt ein Verlangen nach ihrer ausgleichenden Wirkung verspüren, oder?
Deshalb sieht meine Definition von Intelligenz folgendermaßen aus: intelligent ist derjenige, der in der Lage ist, wichtige Infos von unwichigen zu unterscheiden und sich dabei die Fähigkeit bewahrt, zu merken, was für IHN SELBST wichtig ist, und was nur von außen aufgetragen ist. Somit kann er SEIN Ziel formulieren, ob bereits bewußt oder noch in der Schwangerschaftsphase und dieses konsequent und UNBEIRRT verfolgen. Dabei macht er sich auf dem Weg dahin alle Informationen zunutze, die in sein Gehirn gelangen, auch wenn sie auf den ersten Blick noch so wenig mit seiner Zielstellung zu tun haben.
Was ich interessant an dem von mir erzielten Ergebnis finde, ist, daß ich mein Leben lang, trotz Unfähigkeit irgendwas mit Zahlen anzufangen, was über das Verwalten meines Portemonnaies hinausgeht, von fast allen Menschen für überdurchschnittlich intelligent gehalten wurde. Bei diesen Menschen, die diese Meinung von mir haben, handelt es sich um Menschen, die solche Tests wie diesen mit links im Schlaf machen. Was bedeutet das? Bin ich eine Hochstaplerin, die zeitlebens Menschen verunsichert und dann ihnen Sand in die Augen streut, um von dem wahren Zustand abzulenken, nämlich, daß mein Gehirn offenbar total unterentwickelt ist? - Da ist definitiv etwas wahres dran, aber reicht das denn auf Dauer, um alle zu täuschen? Oder bedarf es auch dafür eines gewissen Maßes an Intelligenz, den ich hiernach offenbar nicht im Ansatz mitbringe?
Ferner: wäre mein Ergebnis ebenso schlecht, wenn ich Zeit gehabt hätte? - Nein, ich wäre zwar nicht super dadurch geworden, aber mit Sicherheit sehr viel besser. Aber unsere Gesellschaft akzeptiert nur Roboter und Computer, die eiserne Nerven haben, keine Hormonschwankungen kennen, keine Kindheit hatten, in der sie so gedrillt wurden, daß sie vor Angst zu versagen richtig erstarren, sobald sie etwas, womit sie sich nicht gerade bestens auskennen, schnell lösen müssen und sich nie ablenken lassen, zum beispiel von alternativen Lösungsmöglichkeiten.
Wer ist intelligenter, möchte ich an dieser Stelle fragen: Derjenige, der aus Unkenntnis der Regeln von alleine auf alternative Lösungswege kommt, oder der, der diese Regeln schon seit der Schule kannte, weil er immer Hausaufgaben gemacht hat, und nie im Unterricht einen Klassiker unter der Bank auf dem Schoß hatte?
Abschließend, nachdem ich mit meinem Beitrag dem einen oder anderen, der frustriert nach seinem Ergebnis hier reinschaut, hoffentlich ein bißchen geholfen habe, möchte ich mitteilen, falls für irgendjemand von Interesse, inwiefern ich von diesem Test persönlich profitiert habe (denn, daß mir damit bescheinigt wurde, daß ich eine “Unterdurchschnittlichkeit” bin, ist sicher nicht der Hauptprofit daran:)), und zwar:
1. Ich werde noch mehr an meiner Kreativität arbeiten, um andere intelligente Menschen noch mehr zu bereichern und damit zu beweisen, daß man intelligent sein kann, auch wenn man in der Schule ausschließlich in den Sprachen und Literatur und höchstens noch in Geschichte aufgepaßt hat.
2. Ich werde an den Angstzuständen arbeiten, die aus ewigem Leistungsdruck resultieren, mit dem unsere technokratische und kapitalistische Gesellschaft uns krankmacht, und zwar so, daß ich das nächste Mal, das ich so einen Test absolviere, nicht mehr in Schweiß und Tränen ausbreche, weil ich weiß, daß mein Wert für die Gesellschaft durch das Ergebnis nicht bestimmt und schon gar nicht gemindert werden kann.
3. Ich werde ein paar Wochen lang jede Menge Übungen zu Zahlenaufgaben und all diesem Zeug machen, um zu beweisen, daß das alles nur eine Sache der Übung ist, nicht aber der Intelligenz (auch einem Affen kann man tanzen beibringen, wenn er das nur oft genug machen muß). Intelligenz dagegen, so wie ich sie verstehe, ist mehr als Übung, es ist vielmehr sowas wie Segen und Fluch, die sich gegenseitig abwechseln und bekämpfen.
Danach, wenn ich den nächsten Test mit vorbildlichen Ergebnissen geschafft haben werde, kann ich beruhigt sein und getrost sagen, daß mein Geist nunmehr den Erwartungen einer Gesellschaft entspricht, die er wegen ihrer Oberflächlichkeit und Unbeholfenheit zutiefst verachte! :)
Evelina, zu deiner Beruhigung kann ich dir sagen: der Test ist, wie oben schon bemerkt, an keiner ‘repraesentativen Gruppe’, sondern an einer ‘freiwilligen Internettestgruppe’ abgeglichen, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass jeder, der die Intelligenz aufweist, mehrere email-accounts zu haben, den Test beliebig oft ausfuehren kann. Damit ist der Median grotesk verschoben und man tut gut daran, den Test erst dann ernstzunehmen, wenn man ihn mit, sagen wir einem Tag Abstand, noch einmal ausgefuehrt hat, niemand weiss, wie oft der druchschnittliche Testgruppenkonstituent diesen Test ausfuehrte. So eine Testwiederholung mit genuegendem Zeitabstand ist im uebrigen wahrscheinlich dazu aequivalent, mit anderen Tests vorher zu ‘ueben’, auch eine beliebte Methode bei Internet-Testgruppen, denn natuerlich sind solche Aufgaben ob ihrer Stupiditaet auch trainierbar. Ich bezweifele uebrigens dass irgendjemand der den Test konzipierenden, geschweige denn die BEGABTEN Redakteure der Sueddeutschen, hier jemals ueber, sagen wir, 125 kam, auch mit verzweifelter, schier infiniter Widerholung des Tests (Folgerung: deshalb geht’s bergab im schoenen D.)..
Nachdem ich nun auch diesen ”IQ”-Test absolviert habe und mich weitere Recherchen zu dieser Seite geführt haben, würde mich, angeregt durch Andreas Kommentare (die zugegebener Maße lange zurückiegen, ich hoffe dennoch auf eine evtl. Antwort :)), interessieren, woher genau die Ergebnisse der Vergleichsgruppe hergenommen werden…
Beruht der Test auf externe Normwerte, oder werden die Normwerte aufgrund der online teilgenommen Personen konstituiert?
Hallo Sebastian,
die Diskussion ist in der Tat schon lange her, Psyreon bietet seit Anfang 2010 gar keine Online-Tests mehr an. Trotzdem danke für Ihr Interesse!
Die Normwerte basieren auf den Teilnehmern am Online-Test, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt, und die wir in unserer Auswertung auch stets erwähnt haben. Nähere Infos zur Vergleichsgruppe gibt’s hier: http://blog.psyreon.de/2008/05/08/aktuelle-normwerte-fur-unseren-intelligenztest/.
Beste Grüße,
Kerstin
Wer es nicht ganz so eng sieht der kann mal die eher “lustigen Tests” probieren:
http://www.gratisfuchser.de/internet-kostenlos/iq-test-kostenlos.html
@Kerstin
hallo!
gut daß euer iq test noch online ist, sicher einer der besten (weil “bildungsfernsten”) im internet.
allerdings ist die auswertung bei der süddeutschen nicht nachvollziehbar. habe den test bei euch 2006 gemacht: bei eurer skala 126 (umgerechnet also 139). bei der süddeutschen, jetzt 2011, obwohl ich besser abschnitt, 119.
dazu der kommentar von Uwe2710, in diesem forum: http://board.gulli.com/thread/1251777-iq-test-von-der-sueddeutschen/
diese eigenartige auswertung, hat sich euer test nicht verdient.