Auf der Suche nach dem IQ: Intelligenztests und Normwertskalen
23. April 2008 von Kerstin
Immer wieder werden wir von Teilnehmern unseres Intelligenztests gefragt, warum wir das Testergebnis nicht als IQ bezeichnen, wie hoch denn nun der eigene IQ genau sei, oder warum sie in anderen Tests ganz andere Ergebnisse bekommen. Diese Fragen sind nicht in einem Satz zu beantworten und betreffen im Grunde immer das Thema Normwertskalen. Ein Ergebnis auf einer solchen Normwertskala gibt die relative Position eines individuellen Ergebnisses im Verhältnis zum durchschnittlichen Ergebnis einer möglichst großen und repräsentativen Vergleichsgruppe anderer Testteilnehmer an.
Bei Intelligenztests gibt es zwei besonders gängige Skalen: Die von uns verwendete Standardwertskala und die IQ-Skala. Beide Skalen haben einen Mittelwert von 100, sie unterscheiden sich lediglich in ihrer Standardabweichung von 10 bzw. 15 Skalenpunkten. Da, wie der Name schon sagt, Normwertskalen normiert, also geeicht sind, kann man jedes Ergebnis von der einen Skala auf die andere umrechnen (transformieren). Die verschiedenen Skalen sind also nichts anderes als verschiedene Maßeinheiten – so, wie man den Umfang eines Apfels wahlweise in Millimetern, in Zentimetern oder in Inches angeben könnte. Am Ergebnis der Messung ändert dies nichts, wir reden lediglich über die Darstellung von Messergebnissen.
Eine IQ-Skala ist demnach nur eine Normwertskala unter vielen. Ein aussagekräftiges Ergebnis resultiert nur bei hinreichend großer Referenzgruppe und möglichst hoher Repräsentativität. Dieser Umstand wird aber gern übersehen, und genau aus diesem Grund verwenden wir in unserem Test weder die IQ-Skala noch den Begriff IQ. Wenn das Schlagwort „IQ“ benutzt wird, nehmen viele Leser eine unreflektierte Glaubenshaltung an. Aber was ist denn der IQ? Ein normiertes Ergebnis in Bezug auf bestimmte bearbeitete Aufgaben, dessen Wert von der Vergleichsgruppe abhängt. Nicht mehr, und nicht weniger.
Wer ein Standardwert-Ergebnis in die IQ-Skala umrechnen möchte, kann dies mit der folgenden Formel tun:
IQ = (Standardwert - 100) * 1.5 + 100
Ergebnisse aus verschiedenen Intelligenztests sind allerdings nur dann miteinander vergleichbar, wenn beide Tests nicht nur ähnliche Aspekte der menschlichen Intelligenz messen (also ähnliche Aufgabentypen verwenden), sondern auch beide anhand von repräsentativen Vergleichsgruppen normiert worden sind. Bei den meisten frei im Internet verfügbaren Intelligenztests ist dies nicht der Fall. Auch bei unserem Test deckt die Vergleichsgruppe leider nicht das gesamte (bevölkerungsrepräsentative) Spektrum ab.